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Die Methode

Trichogramma gegen den Maiszünsler

Welchen Schaden der Maiszünsler anrichtet, wie die Schlupfwespen ihn im Ei stoppen, wann sie ausgebracht werden und was amtliche Versuche zeigen. Jede Zahl steht mit ihrer Quelle und ihrem Stand.

Schadbild

Was der Maiszünsler in Ihrem Mais anrichtet.

Den Schaden richten die Larven an: Sie fressen sich durch Stängel und Kolben, schwächen die Pflanze und fördern den Pilzbefall. Das kennen wir seit 2016 aus unserer Arbeit in unseren Einsatzgebieten, und die amtlichen Stellen beschreiben es genauso.

10–30 % Ertragsverlust bei zwei bis drei Raupen je Pflanze

Der Fraß der Larven behindert die Wasser- und Nährstoffversorgung der Pflanze. Bei zwei bis drei Raupen je Pflanze rechnet die LfL Bayern im langjährigen Mittel mit Ertragsverlusten von 10–30 %.

Abgebrochene Stängel, verlorene Kolben

Die Bohrgänge schwächen die Standfestigkeit der Pflanze. In Freilandversuchen der LfL Bayern von 1997 bis 1999 knickten in herkömmlichen Sorten bis zu 25 % der Stängel. Vor allem in Jahren mit häufigen Gewittern brechen die Pflanzen im unteren Bereich ab, und ein großer Teil der Kolben lässt sich dann auch mit reihenunabhängigen Ernteverfahren nicht mehr erfassen.

Mehr Pilzbefall, Risiko für die Futterqualität

Mit ihrer Bohrtätigkeit fördern die Larven den Pilzbefall, vor allem durch Fusarium-Arten. Diese verursachen Stängel- und Kolbenfäule und bilden unter bestimmten Bedingungen Pilzgifte wie Deoxynivalenol (DON) oder Nivalenol, die die Futterqualität erheblich mindern.

Der Zünsler zieht nach Norden

In Niedersachsen meldet die Landwirtschaftskammer für 2026 einen besonders hohen Befallsdruck in Regionen mit bekanntem Befall und zugleich eine deutliche Ausbreitung in Richtung Norden. Ursprünglich war der Maiszünsler auf wärmere Regionen wie die Mittelmeerländer und den Rheingraben beschränkt. In Bayern trat er Ende der 1970er-Jahre erstmals auf, seit 2005 ist er dort auf nahezu allen Maisflächen zu finden.

Fraßgänge vom Fahnenschaft bis zum Stängelgrund

Die Larven bohren sich in die Maispflanze ein. Ihre Fraßgänge können vom Fahnenschaft bis zum Stängelgrund reichen, weitere finden sich in der Kolbenspindel und zwischen den Körnern. Woran Sie den Befall erkennen: geknickte oder abgebrochene Fahnen und Bohrmehl in den Blattachseln. Je älter die Larven sind, desto weiter dringen sie nach unten vor und desto größer ist der Schaden.

Wirkweise

Die Schlupfwespe stoppt den Zünsler im Ei.

Trichogramma sind winzige Schlupfwespen, deren Nachwuchs sich in den Eiern anderer Insekten entwickelt. Gegen den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) setzt die Methode dort an, wo noch kein Schaden entstanden ist: am Eigelege.

Parasitierte Eier statt bohrender Raupen

Trichogramma-Weibchen legen ihre Eier in die Gelege des Maiszünslers. Statt einer Raupe, die sich in Stängel und Kolben bohrt, schlüpft aus dem Zünslerei eine neue Schlupfwespe. Andere Nützlinge wie Marienkäfer schädigt das Verfahren laut LfL nicht.

Quelle: LfL Bayern, Maiszünslerbekämpfung

Stand: 08.10.2026 (abgerufen)

Kleiner als ein Millimeter

Trichogramma-Schlupfwespen sind nur rund 0,4 mm groß. Bei 25 °C dauert ihre Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier etwa zehn Tage. Die Mindesttemperatur liegt bei 15 °C, oberhalb von 38 °C legen sie keine Eier mehr. Ein Weibchen kann 70 bis 120 Eier ablegen. Im Mais wird die Art Trichogramma brassicae gegen den Maiszünsler eingesetzt.

Quelle: LWK NRW, Trichogramma-Schlupfwespen gegen Schadschmetterlinge

Stand: 17.09.2020

Schwarze Eier zeigen den Erfolg

Die Larve der Schlupfwespe ernährt sich vom Inhalt des Zünslereis. Bei 24 °C sind parasitierte Eier nach etwa vier Tagen gleichmäßig schwarz. Daran erkennen Sie bei einem Feldgang selbst, ob die Gelege in Ihrem Bestand parasitiert sind.

Quelle: Hortipendium, Trichogramma brassicae

Stand: 01.06.2016

Zeitpunkt

Ausgebracht wird zum Flugbeginn, einmal oder zweimal.

Die Schlupfwespen müssen im Feld sein, wenn der Zünsler seine Eier ablegt. Der Termin richtet sich deshalb nach dem Flug der Falter, und den beobachten die amtlichen Pflanzenschutzdienste jedes Jahr neu. Die drei etablierten Schemata, die wir anbieten, sehen eine, zwei oder drei Ausbringungen vor.

Zwei Termine laut LfL Bayern

Eine gute Wirkung setzt laut LfL Bayern voraus, dass die Nützlinge zum Flugbeginn des Maiszünslers und nochmals zwölf bis vierzehn Tage später freigelassen werden.

Quelle: LfL Bayern, Maiszünslerbekämpfung

Stand: 08.10.2026 (abgerufen)

Prognose und Fallen

ISIP Baden-Württemberg prognostiziert den Flugbeginn des Maiszünslers. Die Pflanzenschutzdienste überwachen den Flug mit Licht- und Pheromonfallen und erheben Flugbeginn, Flughöhepunkt und Larvenschlupf. Den günstigsten Termin für die Schlupfwespen sieht ISIP um den Flughöhepunkt.

Quelle: ISIP Baden-Württemberg, Maiszünsler in Mais: Prognose und Befallserhebungen

Stand: 08.10.2026 (abgerufen)

Eigene Fallen und Temperaturstationen

Zusätzlich betreiben wir eigene Fallen und eigene Temperaturstationen. Ihre Daten ergänzen für uns die Daten der amtlichen Stellen.

Quelle: TB Copters

Stand: 10/2026

Wie lange die Schlupfwespen schlüpfen

Aus einer Kapsel schlüpfen die Schlupfwespen nicht auf einmal, sondern gestaffelt in mehreren Wellen, laut Herstellerangaben über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen.

Quelle: Herstellerangaben (Biocare, AMW Nützlinge, AGROLINE)

Stand: 09.10.2026 (abgerufen)

Eine oder zwei Ausbringungen

Der Falterflug kann länger dauern als der Schlupf aus einer Kapsel. Für Silo- und Körnermais sehen die Hersteller deshalb meist zwei Ausbringungen im Abstand von 10 bis 14 Tagen vor, und auch die LfL Bayern empfiehlt zwei Termine. Es gibt auch Produkte für eine einmalige Ausbringung mit höherer Stückzahl.

Quelle: Herstellerangaben (AMW Nützlinge, AGROLINE, Biocare); LfL Bayern, Maiszünslerbekämpfung

Stand: 09.10.2026 (abgerufen); 08.10.2026 (LfL, abgerufen)

Wirkung

Was amtliche Versuche zeigen.

Jedes Ergebnis steht hier mit seiner Quelle und seinem Stand.

LTZ Augustenberg

In Versuchen von 2009 bis 2015 ermittelte das LTZ Augustenberg einen Wirkungsgrad von rund 71 %. Das liegt laut LTZ nur knapp 10 % unter den Wirkungsgraden der chemischen Pflanzenschutzmittel.

Quelle: Kansy und Zimmermann, Landinfo 4/2016 (LEL Baden-Württemberg)

Stand: 2016

Praxisversuche in Südeuropa

In zweijährigen Praxisversuchen in Südfrankreich, Norditalien und Slowenien schützten Trichogramma den Mais vergleichbar mit der konventionellen Bekämpfung. Die Mykotoxingehalte im Mais für Lebensmittel blieben in diesen Versuchen unter dem EU-Höchstgehalt.

Quelle: Razinger et al. 2016, Pest Management Science 72(2):246–254, DOI 10.1002/ps.4054

Stand: 2016

Ausbringung

Kapseln, aus der Luft verteilt.

Wie die Schlupfwespen ins Feld kommen, entscheidet über Aufwand und Fahrschäden. Welches der drei etablierten Schemata, die wir anbieten, zu Ihrem Betrieb passt, steht auf unserer Leistungsseite.

Träger im Handel

Trichogramma werden auf Karten oder in Kapseln angeboten. Karten hängt man von Hand in die Pflanzen; Kapseln werden in den Bestand geworfen. Laut Landwirtschaftskammer NRW eignen sich Karten eher für kleinere Flächen und Kapseln für größere, und Kapseln lassen sich mit Multikoptern aus der Luft ausbringen.

Quelle: Hortipendium, Trichogramma brassicae; LWK NRW auf Ökolandbau NRW

Stand: 01.06.2016 (Hortipendium); 26.06.2025 (Ökolandbau NRW)

Unsere Kapseln

Unsere Multikopter bringen Kapseln aus, 100 Kapseln je Hektar und Ausbringung. Auf Anfrage sind kundenspezifische Füllungen möglich, etwa mit einer anderen Anzahl Eier. Die Hüllen bauen sich im Feld ab. Hängekarten lassen sich nicht per Drohne ausbringen; sie werden von Hand aufgehängt.

Quelle: TB Copters

Stand: 10/2026

Was für die Drohne spricht

Eine Studie zur Ausbringung von Trichogramma aus der Luft nennt die schnelle Reaktion auf einen Befall und kurze Ausbringungszeiten auf großen Flächen. Dazu kommt, was die Drohne selbst ausmacht: keine Bodenverdichtung durch die Drohne und keine Fahrschäden im hohen Mais.

Quelle: Bzowska-Bakalarz et al. 2026, Agricultural and Forest Entomology 28(3):471–482, DOI 10.1111/afe.70049

Stand: 2026

Rechtsrahmen

Nichtchemische Verfahren haben Vorrang.

Integrierter Pflanzenschutz in der EU

Die Richtlinie 2009/128/EG verpflichtet die Mitgliedstaaten, dafür zu sorgen, dass alle beruflichen Verwender die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes aus ihrem Anhang III anwenden. Danach ist biologischen, physikalischen und anderen nichtchemischen Methoden der Vorzug vor chemischen zu geben, wenn sie einen zufriedenstellenden Schutz bieten.

Quelle: Richtlinie 2009/128/EG, Artikel 14 und Anhang III (EUR-Lex)

Stand: 26.07.2019 (konsolidierte Fassung)

Weiter

Vom Wissen zum Einsatz.

Termine, Ausbringungsmethoden und Antworten auf häufige Fragen finden Sie auf unserer Leistungsseite.